Hollenteich

"Hollenteich"

Berlin, 2017, 246x132cm
Papercut, Mischtechnik, Holzleisten

Teil der Ausstellung "HÖRENsagen - Antike Mythen - Grimmsche Sagen - Digitales Erzählen" in der GRIMMWELT Kassel, 1.12.17 - 21.5.18

 

„Diese Sagen sind grünes Holz, frisches Gewässer und reiner Laut entgegen der Dürre, Lauheit und Verwirrung unserer Geschichte.“ sagt Jakob Grimm in einem Zeitungsartikel von 1808.

Zutiefst zeigt sich der Glaube, in der Natur und den Sagen des einfachen Volkes hätten sich uralte Wahrheiten bewahrt und würde sich die eigentliche, kulturelle Identität der Deutschen finden können. Eine dieser Sagen ist die Sage zu Frau Holle, die im Hollenteich auf dem hohen Meißner bei Kassel lebt. Als vorchristliche Göttergestalt ist sie nicht nur dort, sondern von Norddeutschland bis in den Alpenraum bekannt. Sie ist eine Göttin der Transformation: der Jahreszeiten und der Initiation der Frauen. Sie regiert in einer schamanischen Anderswelt, in die Frau Holle junge Mädchen zieht, um sie auf ihrem Weg zur erwachsenen Frau zu begleiten.

Der Papercut „Hollenteich“ zeigt Bäume an einem See, wobei sich die obere in der unteren Bildhälfte spiegelt. Die Spiegelung ist selbst Thema in der Sage des Hollenteiches, der Wasserspiegel trennt unsere Welt von der Unterwelt der Frau Holle. In der mitteleuropäischen Sagenwelt und der Romantik steht das Motiv des Spiegels zudem für übersinnliche Erkenntnis jenseits unserer Welt. Durch die ausgeschnittenen Bereiche des Papercuts ergibt sich eine Durchsicht durch die Bildebene. Betrachtet werden können nie beide Welten (Vorder- und Rückseite des Bildes) gleichzeitig, ein Wechsel zur anderen Seite ist nötig, um diese zu sehen.

 

Mit freundlicher Unterstützung der GRIMMWELT Kassel.